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Freigabe der Patente auf die COVID-19 Impfstoffe

Corona-Impfstoff
Image by Ali Raza from Pixabay

In den vergangenen Tagen hat der amerikanische Präsident mit der Ankündigung überrascht, den Patentschutz auf die dringend benötigten Impfstoffe auszusetzen und hat damit eine weltweite Diskussion ausgelöst. 

Nahezu zwangsläufig ist die Pharmaindustrie dagegen, während andere Kreise sofort Hurra! geschrien haben. Die Frage ist aber kann man das so Schwarz/Weiß betrachten? Ich glaube nein, hier der Versuch einer Lösung in der Grauzone.

Die Patenten und Entwicklungen von Biontech und Co beruhen zu einem großen Teil auf Grundlagenforschungen von Universitäten. Der Output der Unis sollte grundsätzlich Open Source sein, schließlich bezahlen alle Einwohner eines Landes diese Forschung. Das Ergebnis dieser Forschung sollte zumindest nicht sein, dass die Erträge daraus vollständig privatisiert werden. Die zeitliche Nähe, in der einige Pharmaunternehmen sehr ähnliche Impfstoffe auf den Markt gebracht haben, macht es wahrscheinlich, dass die Grundlagen der Medikamente sich sehr stark ähneln dürften. Dennoch haben die Unternehmen einen gewissen Anteil an der Entwicklung und wollen diese Vorleistungen jetzt monetarisieren, was ja auch per se nichts falsches ist in einem Wirtschaftssystem. 

Andererseits ist es so, dass Impfstoffe letztlich Saisonartikel sind. Der Impfstoff von heute ist morgen unwirksam, er ist also kein dauerhaftes Wirtschaftsgut wie Aspirin sondern kann nur in einem sehr engen zeitlichen Korridor verwendet werden. Insofern sind die Einlassungen der Pharmaindustrie also schlüssig, dass die Veröffentlichung der Patente gar nichts bringen würde ohne geeignete Produktionsanlagen und geeignetes Personal in den Ländern, die damit versorgt werden sollen. 

Es steht zu befürchten, dass Mutationen die Wirkstoffe unwirksam machen und die Pandemie eine weitere Welle um den Globus jagen werden. Von daher muss also alles getan werden um diese Ausbreitungen quasi im Keim zu ersticken. Ziehen wir mal Parallelen zur Großen Pest in Europa, so dauerte diese ca 6-7 Jahre an und kostete mehr als eine Million Opfer in Europa, bei allerdings viel geringerer Bevölkerungsdichte. Corona hat bis jetzt allein in den ersten Ländern weltweit 1,5 Mio Tote produziert, wie viele Weltweit lässt sich nur erahnen. Zahlreiche Mutationen sind schon auf dem Weg um die Welt. Ein geeignetes Konzept muss also her um diese Seuche zu stoppen.

Hier also mein Ansatz:

Die forschenden Pharmaunternehmen leben davon, dass ihre Produkte gekauft werden, also muss man sie auch erwerben. Gehen wir davon aus, dass die Kosten für weltweite Impfungen zwar extrem teuer sind, aber letztlich kein Vergleich zu einem weltweiten wirtschaftlichen Abschwung, so wäre es eine WinWin Situation, wenn der Patentschutz nicht aufgegeben wird, sondern lediglich verpflichtend und nach strengen Vorgaben zur Lizenzierung freigegeben werden muss. 

Die Unternehmen zeichnen die Kosten für die Entwicklung und Produktion auf und legen diese in einer Open Book Policy offen. Aus diesen Gesamtkosten werden die Kosten einer Impfdosis berechnet, auf Basis von einer benötigten Produktionsmenge. Anschließend wird ein Aufschlag eingerechnet für die Handelsspanne. Aus diesem Aufschlag errechnet sich dann der Preis für eine Lizenzproduktion. Jeder Hersteller von Generica kann damit sofort loslegen und seinerseits die Produktion starten. Die entwickelnde Firma verdient somit auch für die Produktion anderer. 

Ein andere Weg wäre, wenn die Staaten den Pharmaunternehmen die Kosten für die Forschung bezahlen und dann nur noch die Lizenzen selbst vergeben können. Die Firmen, die die Impfstoffe entwickelt hätten wären dann Lizenznehmer des eigenen Produkts, werden dann aber anhand der OpenBook Strategie für die Produktionskosten plus Marge entsprechend entschädigt. 

Pandemien sind nichts neues, es gab sie schon immer und sie werden weiter um die Welt rasen. Aber die Ausbreitungsgeschwindigkeiten sind rasanter geworden, die Bevölkerungsdichte ist explodiert. Da helfen lokale Lösungen nichts. Wenn wir Indien, Brasilien, Südafrika you name it nicht an den Lösungen teilhaben lassen, verflüchtigen sich die Lösungen für uns ebenfalls. 

Lösungen müssen global gedacht werden. Ein neues Konzept der Patentierung für Medikamente muss also so flexibel sein, dass man schnell und wirksam aufkeimende Probleme bekämpfen kann. Dabei ist zu beachten, dass alle sich nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligen. Wenn ärmere Länder wenig haben, so müssen eben die wohlhabenden Länder ihren Beitrag zu Wohle aller leisten. 

Wir beziehen unsere Waren teils aus sehr armen Ländern wie Bangladesch, man kann daher nicht einfach wegschauen und sagen, das ist deren Problem. Es ist schneller unser Problem als man schauen kann. 

Corona wird uns lehren, dass nur gemeinsames Handeln die Welt stabilisieren kann. Das wird sich nach der überstandenen Pandemie vielleicht auch auf andere Themen übertragen lassen, den Schutz unserer Lebensräume zum Beispiel. 

Die Patentfrage für Impfstoffe könnte also zur Blaupause werden, wie wir künftig zum Wohle der Gemeinschaften agieren werden. 

Man darf gespannt sein.

1 Kommentar zu “Freigabe der Patente auf die COVID-19 Impfstoffe

  1. Kluge Gedanke!
    Kann man nur voll und ganz unterstützen.

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